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Ein Bericht - von Dennis Menze

Zwei Straßenmusiker unterschiedlicher Herkunft, zwei unterschiedliche, scheinbar unvereinbare Musikstile treffen aufeinander. Platz ist nur für einen an diesem hart umspielten Ort, für zwei reicht das Kleingeld nicht.
Soweit die Aufgabenstellung von Rainer Nigrelli. Einen Film gab es noch nicht – der sollte – eine kleine Vorliebe von Rainer – erst auf die auskomponierte Musik gedreht werden. Das bedeutete für uns Komponisten [Dennis Menze, Jan Sedgwick] natürlich soviel kreativen Spielraum, wie es Musikstile gibt.

Und diesen galt es nun mit mehreren Fragen genauer einzugrenzen: welche Musik wird auf der Straße gespielt? Welche Instrumente werden dabei benutzt? Welche Kulturen, welche Völker, welche Volksmusiken treffen in Fußgängerzonen aufeinander?
Und hat man schließlich zwei repräsentative gefunden: wie schafft man es, nicht nur den Kontrast, den Widerspruch, die scheinbare Unvereinbarkeit zwischen den beiden festzuhalten, sondern sie letztendlich auch harmonisch interagieren zu lassen und trotz aller Widersprüche über musikalische Gemeinsamkeiten im großen Finale zu einem Stil zu vereinen?

Wie mischt man osteuropäisch-melancholische Akkordeonmusik mit quirligem Jazz-Saxofon?

Nachdem die beiden Protagonisten also von uns ihre Instrumente zugewiesen bekommen und wir das Hauptthema des Akkordeons komponiert hatten, fanden wir mit Nico Rebscher am Saxofon und Gunther von der Weiden am Akkordeon zwei Idealbesetzungen.
Denn die beiden beherrschen genau das, was uns als übergeordnete Gemeinsamkeit und verbindendes Element schien: den improvisativen Charakter von Musik.

 

Bei der Konzeption war uns nämlich schnell klar, dass bis auf das Akkordeonthema als Ausgangsbasis alles improvisiert sein musste, um ein solch impulsives, hitziges Duell musikalisch authentisch wiederzugeben. Und da Improvisation nun mal ihrem Wesen nach nicht planbar ist, verbarg sich darin auch ein gewisses Risiko.
Die beiden Musiker waren im Studio, einmal im Duell, aber nicht mehr zu stoppen, so dass wir, als das Tonband voll war und wir die beiden aus dem Studio entließen, ihr fortwährendes musikalisches Bombardement erst nicht mehr vernehmen konnten, als es in den Gassen Kölns verhallte. Musiker in ihrem Element...

Hauptthema und Duell waren also eingespielt. Im Finale erkennen nun beide, dass ihr Widerstreit von den Passanten bereits als einheitliches musikalisches Werk wahrgenommen wird. So setzen sie neu an, der Akkordeonspieler zügelt sein Temperament und bereitet dem Saxofonisten ein rhythmisches und harmonisches Fundament, so dass dieser seine Jazzlicks, jedoch angepasst an die Melodik des Osteuropäers, zum Besten geben kann. Über den musikalischen Kompromiss, bei dem jeder ein Stück zurücktritt und dem anderen Raum schafft, gelangen sie zum musikalischen Höhepunkt.
Auch dieses Konzept konnten die beiden Musiker im Studio verwirklichen.

Nun fehlte noch der Titelscore des Filmes.
Der musste natürlich im Stile Morricones sein, der ja die Musik der Italo-Western hauptsächlich geprägt hat. Nach ausgiebiger Analyse seines musikalischen Schaffens griffen wir schließlich zur Western-Gitarre, wirbelten auf der kleinen Trommel und pfiffen und klatschten uns die Seele aus dem Leib, bis wir glaubten, eine würdige Hommage an den Meister geschaffen zu haben.

     
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© Aldo Borga 2006